Projekt Weiter · Denken

von Martin Polenz
Demenz ist ein Oberbegriff für Veränderungen im psychischen und physichen Bereich, in deren Verlauf bestimmte geistige und körperliche  Fähigkeiten abnehmen. Alzheimer ist mit einem Anteil von etwa 60% die häufigste Ursache für Demenz und wurde bereits 1906 von dem Arzt Alois Alzheimer beschrieben. Im Zuge der demographischen Entwicklung, die u. a. durch einen deutlichen Anstieg der Lebenserwartung und ein steigendes Durchschnittsalter der Bevölkerung gekennzeichnet ist, wird auch mit einem deutlichen Anstieg der Demenz gerechnet. Denn die Wahrscheinlichkeit, von Demenz betroffen zu sein, steigt mit dem Alter. Die Diagnose Demenz stellt für viele Menschen den Beginn einer langen Krisenzeit dar. Die Vorstellung, in zunehmendem Maße unselbstständiger zu werden, die geistige Leistungsfähigkeit zu verlieren, ist für viele schrecklich. Der Verlust von Erinnerungen, das Vergessen von liebgewonnenen Orten, Routinen und auch Menschen stellt die eigene Existenz in Frage.

hund   spaziergang im Park   gesprächsrunde


Viele betroffene Menschen versuchen, die Demenz zu verdrängen und, sie so lange es geht, vor ihrer Familie, ihren Freunden und Bekannten zu "verstecken". Dieses Verhalten führt oft in Einsamkeit und Isolation. Dabei gibt es bereits eine Vielzahl an Hilfen und Möglichkeiten, die den Alltag und das Leben der erkrankten Menschen erleichtern und bereichern. Viel zu wenige kennen diese Hilfsangebote, und es müssen auch noch neue Angebote entwickelt werden. Zu viele Betroffene haben noch keinen Zugang zu Entlastungsangeboten. Zu viele Familien kennen keine Möglichkeiten der Entlastung, beispielsweise durch Betreuungsangebote. Das Aktionsprogramm "Gemeinsam für ein besseres Leben mit Demenz" wird innerhalb der kommenden drei Jahre gezielt Maßnahmen umsetzen, um die Lebenssituation der Menschen mit Demenz sowie die Situation der Angehörigen, also der Familien, zu verbessern. Das gesamte Vorhaben wird durch die Robert Bosch Stiftung in erheblichem Umfang gefördert.

Ein zentraler Bestandteil des Aktionsprogramms ist die Einladung an alle Arnsberger zu überlegen, wie man selbst etwas tun kann. Wer eine gute Idee hat, kann sich mit einem Antrag um Fördermittel bewerben, um in den kommenden Monaten und Jahren diese Idee umzusetzen. Hier sind alle Arnsberger gefragt, von Krankenhäusern, Ärzten, Pflegern über Schulen, Kindergärten bis zu einzelnen Unternehmen oder der Handwerkskammer.

  • Eine schöne Idee wäre zum Beispiel ein regelmäßiger Besuch einer Schulklasse/ Schülergruppe in einem Pflegeheim, um mit den älteren Menschen zu spielen, zu reden oder zu singen. So würden die Schüler in Kontakt kommen mit Menschen, die ihnen in ihrem Alltag wohl kaum begegneten. Für die Demenzkranken stellt ein solcher Besuch einen wirklichen Höhepunkt des Tages dar, durch den sie viel Freude erleben können.
  • Ein weiteres Beispiel wäre eine Fortbildungsmaßnahme für ein Kaufhaus: Wie reagiert unser Personal in einer Situation, in der ein anscheinend verwirrter älterer Herr an der Kasse steht? Wegschauen? Oder Hilfe holen? Wer unvorbereitet mit einer solchen Situation konfrontiert wird, handelt oft nicht richtig. Dieses Problem stellt sich natürlich nicht nur dem Personal, sondern auch demjenigen, der zufällig weiter hinten an der Kasse steht.
  • Ein drittes Beispiel möchte ich noch anführen, auch um die Bandbreite der Möglichkeiten darzustellen: Es existieren bereits verschiedene und sehr gute Entlastungsdienste für Angehörige von demenzkranken Menschen. Hier herrscht aber ein enormer Bedarf, da die Angehörigen sich meist in der Verantwortung sehen, für die kranke Mutter, den kranken Bruder zu sorgen und ihn zu betreuen. Diese Belastung, oft über Jahre, kann an die Grenzen des Leistbaren führen und darüber hinaus. Hier kann schon eine Stunde Entlastung viel bedeuten, in der sich jemand anderes um den Kranken kümmert und den Angehörigen die Möglichkeit bietet, durchzuatmen. Hier wäre eine Art Nachbarschaftsdienst eine wichtige Initiative.

Es wird deutlich, dass jeder seine eigene Kreativität spielen lassen und auf seine Weise und mit seinen Fähigkeiten ein wenig dazu beitragen kann, das Leben von demenziell erkrankten Menschen und ihren Angehörigen zu verbessern. Sollten Sie Fragen oder Anregungen haben, wenden Sie sich bitte an mich unter der e-mail-Adresse: m.polenz@arnsberg.de