"Wir setzen auf alle Altersgruppen"

24.05.2008 / Lokalausgabe WP
Arnsberg. Die städtische Fachstelle "Zukunft Alter", die unter anderem den Seniorenbeirat bei dessen Arbeit begleitet, ist 2007 im städtischen Verwaltungsgefüge in die "Zukunftsagentur/Stadtentwicklung" verlegt worden. Die Beweggründe der Verlegung und den Blick auf die Zukunft dieses wichtigen Senioren-Bereiches erläutert Fachbereichsleiter Thomas Vielhaber (47).

WP: Was ist der Grund für die Verlegung zur Zukunftsagentur/Stadtentwicklung?

Vielhaber: Die Fachstelle "Zukunft Alter" ist im vergangenen Jahr der bereits seit 1999 bestehenden Zukunftsagentur/Stadtentwicklung und damit direkt dem Verwaltungsvorstand thematisch zugeordnet worden. Dies erfolgte deshalb, weil die Fragen des demografischen Wandels und der Alterung der Gesellschaft und natürlich der Umgang mit diesen Themen ganz wichtige strategische Fragestellungen für eine Kommune und die dort lebenden Menschen sind. Die Organisationsänderung ist als Teil der Kundenorientierungsoffensive der Verwaltung zu sehen. Veranlasst wurde dies von Bürgermeister Vogel. Die Themen wurden aus dem Fachdienst "Wendepunkt" herausgelöst, um deutlich zu machen, dass es sich nicht um Gesundheitsfragen, sondern um strategische Fragestellungen handelt.

WP: Können und wollen Sie mit der Zukunftsagentur/Stadtentwicklung direkten Einfluss auf die bisherigen Tätigkeiten der Fachstelle "Zukunft Alter" nehmen?

Vielhaber: Die Fachstelle "Zukunft Alter" liefert eine hervorragende Arbeit ab, so dass weder inhaltliche noch personelle Veränderungen beabsichtigt sind und auch die bewährte Zusammenarbeit mit anderen Bestand haben wird. Die Ergebnisverantwortung wird - und das ist die Philosophie der Stadtverwaltung - bei den jeweiligen Mitarbeitern liegen.

WP: Haben Sie Vorstellungen, welche evtl. bisher nicht beachteten Tätigkeitsbereiche von der Fachstelle übernommen werden sollen?

Vielhaber: Ein großes Thema der nächsten Jahre wird das Projekt "Demenz Arnsberg" sein, dessen Projektleitung Herr Polenz von der Fachstelle "Zukunft Alter" übernommen hat. Darüber hinaus ist es aus meiner Sicht wichtig, dass die Fragestellungen, die in der Fachstelle angesiedelt sind, stärker mit den strategischen Themen der Stadtentwicklung zusammengeführt werden. Dabei wird es nicht darum gehen, neue Aufgaben zu finden oder zu erfinden, sondern relevante Fragestellungen, die übergreifend sind, zielorientiert zu bearbeiten. Aus dem Bereich der Stadtentwicklung können dies beispielsweise Fragen der Nahversorgung oder auch der Verkehrsplanung sein.

WP: Der Seniorenbeirat ist jetzt auch in Ihrem Verantwortungsbereich. Wo sehen Sie diesen Beirat, mit welchen Verantwortlichkeiten und Rechten, aber auch Pflichten, positioniert?

Vielhaber: Die Arbeit des Seniorenbeirates ist dort besonders wertvoll, wo er die Interessen der älteren Bewohner der Stadt vertritt. Dabei kann es aus meiner Sicht nicht darum gehen, besondere Rechte zu vertreten, sondern eine Altersgruppe, die durch das Ausscheiden aus dem Berufsleben oftmals in der Tagespolitik und im gesellschaftlichen Geschehen weniger Gehör findet, deutlich zu vertreten. Eine besondere Verantwortung sehe ich in der Nutzung der Potenziale und des Erfahrungswissens der Mitglieder des Seniorenbeirates, die darauf aufbauend zu aktuellen Geschehnissen und Fragestellungen in der Stadt Arnsberg Stellung beziehen und Anregungen geben sollten.

WP: Der Seniorenbeirat hat Mitte 2006 dem Rat der Stadt einen neuen Wahlordnungsentwurf übergeben, der jedoch von der Verwaltung nicht akzeptiert wurde. Stattdessen wurde die vom Rat ursprünglich beschlossene Verkürzung der Amtszeit des Beirates Ende 2006 verlängert. Wollen Sie einen eigenen städtischen Wahlordnungsentwurf erstellen oder suchen Sie hier die Kooperation mit dem Seniorenbeirat?

Vielhaber: Der vom Seniorenbeirat vorgelegte Wahlordnungsentwurf stellt die Grundlage für verschiedene Wahlmodelle dar. Diese werden derzeit verwaltungsintern beraten. Anschließend erfolgt dann die Diskussion zusammen mit den Ratsfraktionen und dem Arbeitskreis "Wahlordnung", der aus Mitgliedern des Seniorenbeirates gebildet wurde.

WP: In Arnsberg sind knapp 26 Prozent der Bevölkerung 60 Jahre alt und älter. Wie wollen sie deren Bedürfnisse erkennen und möglichst zeitnah umsetzen?

Vielhaber: Die Stadt Arnsberg hat im Zuge der Ausrichtung der Stadtentwicklungspolitik eine Strategie entwickelt, die sich mit den unterschiedlichen Facetten der demografischen Entwicklung auseinandersetzt. Neben der Frage der Alterung der Bevölkerung gehört dazu auch die so genannte "Schrumpfung". Über eine Qualifizierung der Stadt in vielen Bereichen soll die Stadt als Lebens- und Wohnstandort zukünftig weiterhin attraktiv sein. Dabei setzt Arnsberg auf alle Altersgruppen. Viele Punkte, die jungen Menschen oder Familien zugutekommen, sind auch für ältere Menschen von Bedeutung und anders herum. Deswegen ist Arnsberg auf den Ausgleich zwischen den Generationen bedacht, letztlich aber zum Wohle der gesamten Einwohnerschaft. Ein einfaches Beispiel: Die aktuell in Planung und Umbau befindlichen größeren Straßenbauprojekte berücksichtigen die Anforderungen an Barrierefreiheit. Dies kommt seh- und gehbehinderten Menschen genau so zugute wie Müttern, die einen Kinderwagen schieben, oder älteren Personen, die auf einen Rollator angewiesen sind. Wichtig ist dabei, dass wir offen bleiben für neue Lösungen. Insofern freue ich mich über Anregungen aus der Bürgerschaft.

 

Mit Thomas Vielhaber sprach Wolfgang Rochna Auch das ist eine wichtige Aufgabe: Senioren müssen kontinuierlich an die ständig neuen technischen Entwicklungen herangeführt werden. Foto: WP. Thomas Vielhaber leitet den Fachbereich "Zukunftsagentur/Stadtentwicklung".