Verständnis wecken für die Erinnerung

Arnsberg, 09.12.2008 / Lokalausgabe WP

Arnsberg. (reb) Eine ungewöhnliche Kunstausstellung ist in der Sparkasse Arnsberg-Sundern eröffnet worden. Gezeigt werden Portraits demenzkranker Menschen, die bei einer Aktion der Fac-stelle "Zukunft Alter" der Stadt Arnsberg entstanden sind.
Im Oktober fand das zweiwöchige "Projekt mit Portraits" unter der Leitung von Kunsttherapeutin Claudia Büeler statt. Es zählt zu den Artecura-Projekten, die kreative Übungen in Selbstausdruck, Kommunikation und Mitgefühl beinhalten.

Während des Projekts im Herbst gestalteten demenzkranke Bewohner des Senioren-Wohnparks Arnsberg zusammen mit Schülern der 4. Klasse der Norbertus-Grundschule die Portraits. In der ersten Arbeitsphase fand eine Zweierbegegnung statt, bei der die Therapeutin die Bewohner zeichnete. Im Mittelpunkt der zweiten Phase stand die gesamte künstlerische Gruppe aus Schülern und Senioren. Beide erhielten Kopien der Portraits und füllten sie mit Farbe.

Leiterin Claudia Büeler sieht diese Arbeit aus verschiedenen Gründen als sehr wichtig an: "Wir wollen mit diesem Projekt in bei Kindern das Verständnis für die Erinnerung wecken und in erster Linie auf die Demenz-Krankheit aufmerksam machen." Denn entgegen dem Vorurteil, dass die Demenz Menschen nur vergesslich mache, habe die Krankheit für die Betroffenen viel größere Auswirkungen. "Man fühlt sich dann, als würde man den Boden unter den Füßen und die Orientie-rung verlieren."

Auf Grund der fehlenden Erinnerung und Orientierung ist es für Demenzkranke schwer, den All-tag zu bewältigen und eigene Wünsche zu äußern. Mit Hilfe des Projektes will die Kunsttherapeu-tin etwas über die Wahrnehmung der Kranken herausfinden, um so deren Umgebung so angenehm wie möglich gestalten zu können. Bei diesem Prozess spielen die Kinder eine wichtige Rolle. Sie sind neugierig und zugleich vorsichtig auf die Senioren zugegangen und konnten in der künstleri-schen Phase zwischen drei Aufgaben wählen: mit Farbe die wahre Person darstellen, einen Kon-trast herausarbeiten oder ein neues Detail dazu erfinden. Gleichzeitig malten auch die Demenz-kranken ihre Portraits an. So entstand eine angeregte Atmosphäre in der viel gelächelt, gefragt und geantwortete wurde.

Auch die Senioren begegneten den Bildern vorsichtig und es ist anzunehmen, dass sie sich beim Malen nicht selbst erkennen. Allerdings betont die Therapeutin: "Einige erinnerten sich durch das Bild an Schwester oder Mutter." So sei ein Aufleben der eigenen Identität möglich.

In jedem Fall fühlten sich die Menschen durch die ihnen und ihren Portraits geschenkte Aufmerk-samkeit "gesehen" und wertgeschätzt. Durch die Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung wird außerdem ein kreatives Moment entfacht, wodurch sich beide Seiten bereichern. Schließlich kommt es nicht darauf an, dass die Konturen exakt eingehalten werden und die Farben passen. Mit dem Projekt soll die Wahrnehmung, die Phantasie und die Kreativität der Teilnehmer gefördert werden und ein Dialog ohne Worte entstehen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Januar zu sehen.