Pflegebelastung in Familien mindern

Neheim-Hüsten, 29.06.2008 / Lokalausgabe WP

Arnsberg. (ad) Seit fast drei Monaten gibt es Demenz-Projektstützpunkte in Neheim, Hüsten und Alt-Arnsberg. Vor Ort geben neutrale Ansprechpartner insbesondere Familienangehörigen von Demenzkranken Informationen und bieten Hilfen an. Die WP sprach jetzt mit den Beratern über ihre Erfahrungen.

Demenz ist immer noch ein Tabuthema. Das darf nicht sein", betont Demenz-Projektleiter Martin Polenz. "Wir erklären unter anderem, was es für Möglichkeiten der Hilfe gibt, was einem finan-ziell zusteht und wie man sich verhält, wenn der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit ins Haus kommt." Es ist eine individuelle Beratung. So wollen die Stützpunkte einen guten Weg finden, um Demenzkranke zusammen mit ihren Angehö-rigen langfristig zu begleiten. "Wir zeigen Familienangehörigen auf, wie sie entlastet werden können", erklärt Herbert Torbohm, Berater in Hüsten.

Über 50 Familien haben in den vergangenen zwei Monaten Rat bei den neuen Stützpunkten gesucht. Es kristallisierte sich heraus, dass einige Angehörige das Problem verdrängen. "Die Hemmschwelle muss dabei überwunden werden", wünscht sich Beate Botte (Neheim). "Eine persönliche Beratung mit uns ist sicherlich verständlicher als das übliche Amtsdeutsch auf Info-Blättern", meint Polenz.
Die Berater weisen auch auf die Neuerungen zum 1. Juli in der Pflegeversicherung hin. "Es ist sehr viel Beratungsbedarf vorhanden", meint Jutta Schneider-Hühn (Alt-Arnsberg). Einige Neuerungen: Künftig sollen auch körperlich gesunde, aber altersverwirrte Kranke ohne Pflegestufe profitieren. Für Pflegebedürftige, die in den Pflegestufen I bis III eingruppiert sind, steigt der Pflege-satz zwischen 10 und 59 Euro. Es betrifft nur die zu Hause von Angehörigen, Nachbarn oder ambulanten Pflegediensten betreut werden. An den Sätzen in Heimen ändert sich nichts. Ab 2010 bis 2015 sollen Zuwendungen weiter angehoben werden. "Künftig haben auch Demenzkranke ein Anrecht auf finanzielle Unterstützung durch Pflegekassen", erklärt Polenz. Es werden Pflegezeiten eingeführt. Neben dem bisherigen geringen Betreuungsbetrag von 460 Euro im Jahr, gibt es für Demenzkranke auch ohne Pflegestufe 100 bis 200 Euro im Monat. "Das sind bis zu 2 400 Euro im Jahr, die bei einer Betreuung verrechnet werden. Der MDK entscheidet.", erklärt Botte.

Beratung Alt-Arnsberg: Jutta Schneider-Hühn Tel: 02931/806647 oder Tel: 02931/8069, Neheim: Beate Botte Tel: 02932/9806090 oder 0171/4441201, Hüsten: Herbert Torbohm Tel: 02932/891382 oder 0172/1029324.