Ohne Ehrenamt keine Demokratie

Arnsberg, 17.06.2009, Von Theo Hirnstein

Stadt Arnsberg. Eine demokratische Gesellschaft kommt ohne das ehrenamtliche Engagement ihrer Bürger nicht aus. So ist das in Arnsberg - so ist das auch in den meisten anderen Städten und Gemeinden.

Vereinsmitglieder sammeln Unrat in Wäldern und an Flüssen. Senioren bringen ihre Lebens- und Berufserfahrung in die Weiterbildung ein. Frauen und Männer engagieren sich in Sport- und Gesangvereinen, in der Sozialarbeit oder übernehmen kulturelle Aufgaben.

„Das Grundgesetz", so Bürgermeister Hans-Josef Vogel, „erwartet dieses bürgerschaftliche Engagement. Es gilt als ehrenhaft, sich für die öffentlichen Dinge einzusetzen." Weil nämlich das Grundgesetz als freiheitliche Alternative zur Nazi-Diktatur geschaffen worden ist und auch als Alternative zum kommunistischen Staat der untergegangenen DDR.

„Die aktive Demokratie braucht jeden. Bürgerschaftliches Engagement ist daher gelebte Freiheit", meint Vogel weiter. Schließlich könne selbst die beste Politik und die beste Verwaltung das „Management der öffentlichen Dinge" nicht allein organsieren. „Schon aus diesem Grund müssen Politik und Verwaltung diesen Einsatz bewusst abfragen." Der Bürgermeister nennt fünf Gründe:

Mehr Lebens- und berufliche Erfahrung, mehr Interessen, vor allem aber mehr Gestaltungskräfte werden in die Gemeinschaft eingebracht.

Bürgerschaftliches Engagement kann schnell und unkompliziert neue Wege ausprobieren, um z. B. eine Stadt sozial zu gestalten.

Bürgerschaftliches Engagement bedeutet, dass der einzelne Mensch nicht direkt auf Politik und Verwaltung trifft, sondern in selbst organisierten kleinen Lebenskreisen zuhause ist, in denen er Respekt, Regeln und Anerkennung des Anderen erlebt.

Wenn möglichst viele sich nicht nur um ihre privaten oder geschäftlichen Dinge kümmern, sondern um die gemeinsamen öffentlichen Angelegenheiten, dann tut das dem Einzelnen und dem Ganzen gut.Viele öffentliche Ziele können nur erreicht und viele soziale Übel nur bekämpft werden, wenn man nicht nur auf den Staat vertraut und die sozialen Fragen an den Staat delegiert, der sie dann politisch-administrativ beantwortet, sondern wenn es gelingt, mehr bürgerschaftliches Engagement zu mobilisieren und vor allem bürgerschaftliches Engagement mit dem Engagement der Stadt verbindet.

Bürgerschaftliches Engagement wird in der Zukunft wichtiger. Gesellschaft und Wirtschaft sind nicht nur Orte, an denen soziale Probleme entstehen, sondern auch Orte, wo soziale Kräfte zu ihrer Lösung gefunden und mobilisiert werden können.

Schließlich bezieht bürgerschaftliches Engagement Menschen ein, ist ein Gegenmittel gegen die Angst, überflüssig zu sein. Menschen finden in diesem Engagement Lebenssinn, Lebensqualität und Lebensfreude: Zusammenhalt entsteht.

Bürgerschaftliches Engagement ist aber nicht nur eine Erwartung der freiheitlichen Demokratie an ihre Bürger, sondern die freiheitliche Demokratie muss bürgerschaftliches Engagement unterstützen und es mit eigenem Handeln verbinden („An einem Strang ziehen"). Das bedeutet auf städtischer Seite: Engagement nachfragen, aktive Menschen beraten und begleiten (Räume zur Verfügung stellen etc.), das Engagement vernetzen in Vereinen und Projekten und Allianzen bilden zwischen verfasster Stadt und ihrer Bürgerschaft.