"Die Alten haben ein Recht auf gesellschaftliches Leben"

07.03.2008 / Lokalausgabe WP
(v.l.) Ulrich Sölken, Jutta Schneider-Hühn (Caritas) und Dr. Willi Rückert (Aktion-Demenz) stellten sich bei der Auftaktveranstaltung "Arnsberg-Lernwerkstadt Demenz" den Fragen von Moderator Dirk Hammel zum Thema Pflege. Foto: Benke

Arnsberg. (ad) Die Hälfte der Neugeborenen in Arnsberg wird das Jahr 2108 erleben, also 100 Jahre alt werden. So lautet eine Prognose zur zukünftigen Lebenserwartung. Mit der immer älter werdenden Gesellschaft, wächst auch die Demenz. Offenkundig gehört Demenz zur Gesellschaft des langen Lebens.

Mit einer gelungenen Auftaktveranstaltung im Kulturzentrum startete die Stadt Arnsberg den innovativen Beitrag zur Sozialen Stadt der Zunft "Weiter-Denken: Arnsberg-Lernwerkstadt Demenz".

Das Projekt soll das Thema Demenz aus der Tabuzone holen (die WP berichtete). "Will man Demenzkranke nicht in Pflegeheimen separieren, stellt das Zusammenleben in Familien und Stadtteilen eine gewaltige Aufgabe dar", so Bürgermeister Hans-Josef Vogel. Mit ihr müsse man sich auseinandersetzen. Es gehöre viel Mut dazu, einen verwirrten Menschen zu begleiten oder auch Angehörige stundenweise zu entlasten. "Wir stehen heute vor der Entscheidung, wie wir menschlich miteinander umgehen", betonte Vogel.

Mehr als 400 Besucher kamen zur Auftaktveranstaltung. "Wir haben unter anderem Vereine, Institutionen, Schulen, Ärzte, Anwälte angeschrieben, um sie zu bewegen bei diesem Modell mitzuarbeiten", erklärte Marita Gerwin von der Fachstelle Zukunft Alter. Zur Einstimmung wurde ein Film gezeigt, in dem zwei Arnsbergerinnen über die Demenzerkrankung eines nahen Angehörigen berichten. "Man erkundigt sich zwar nach meiner Mutter, aber keiner ihrer früheren Freunde oder Bekannten schaut mal vorbei", bestätigt Anne Werthschulte in dem Beitrag.

Facharbeit zu Demenz
Im Alter von nur 50 Jahren erkrankte ihre Mutter an Demenz. Die FSG-Schülerin Farina Behrens hat sich in einer Facharbeit mit dem Thema beschäftigt. Ihre Meinung: "Die Alten haben ein Recht auf gesellschaftliches Leben. Ihr Wissen ergänzt unsere Erfahrungen."

Wort ist Hemmschwelle
Moderiert wurde die Veranstaltung von WDR-Reporter Dirk Hammel. Er diskutierte mit Fachleuten für Pflege und Betreuung, Medizin und die Bereiche Wohnumfeld sowie Zivilgesellschaft. Die Betroffenen merkten, dass sie vergessen, das wirke sich bei ihnen sehr emotional aus. "Viele Patienten benutzten das Wort Demenz gar nicht", so Dr. Martin Busch. Das sei schon eine Hemmschwelle. Doch wie nähert man sich dem Thema, wenn man zu wenig über Demenz weiß? Im Anfangsstadium ist Demenz besonders für Betroffene ein Martyrium. Später ist es mehr Martyrium für die Pflegenden.

Ziel des Projektes ist, dass sich die Bürgergesellschaft mit Aktivitäten zur Verbesserung des Lebens mit Demenzerkrankten beteiligt. "Anregungen aber auch konstruktive Kritik sind das Beste auf der Suche nach Lösungen", erklärte der Projektleiter Martin Polenz. Für Aktivitäten mit Demenzerkrankten stehen finanzielle Mittel aus der Otto-und-Edith-Mühlschlegel-Stiftung zur Verfügung, die beantragt werden können.

Ansprechpartner helfen
Anträge mit Zielformulierungen sind in den Bürgerbüros der Stadt erhältlich. Beratungsstellen mit folgenden Ansprechpartnern sind in Arnsberg eingerichtet worden:
Projektleiter Martin Polenz ist erreichbar unter 02932/201-2206,
Jutta Schneider-Hühn in Alt-Arnsberg unter 02931/806-9,
Herbert Torbohm in Hüsten unter 02932/891 382 und
Beate Botte in Neheim unter 02932/980-6090.